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Soll ich oder soll ich nicht? Wenn entscheiden schwer fällt ...

Soll ich das tun oder doch lieber jenes? Soll ich aufstehen oder lieber noch im Bett bleiben? Soll ich den Urlaub in den Bergen verbringen oder am Meer? Soll ich essen oder doch lieber fasten? Soll ich bleiben oder doch lieber gehen? Soll ich ja sagen oder doch lieber nein?

Soll ich, soll ich, soll ich ...? Entscheidungen sind unser Alltagsgeschäft, von morgens bis abends, immer wieder, unser ganzes Leben lang, ob wir wollen oder nicht. Nicht einmal nicht entscheiden können wir. Selbst wenn wir glauben, nicht zu entscheiden, entscheiden wir. Wir haben dann eben, vielleicht ohne es zu wollen, entschieden, nicht zu entscheiden.

 

Ist das ein Unglück? Überhaupt nicht, im Gegenteil. Stellen Sie sich doch nur einmal vor, Sie könnten gar nicht entscheiden, vielleicht weil andere schon für Sie oder gar über Sie entschieden haben oder weil die Situation selbst buchstäblich ausweglos ist. Wäre Ihnen das lieber? Vermutlich nicht. Dass heisst aber doch: Nicht dass wir entscheiden müssen, ist das Problem, sondern wenn wir nicht entscheiden können und vor vollendeten Tatsachen stehen. Entscheiden können, ist ein Privileg. Tiere können das nicht. Leider nicht einmal alle Menschen.

 

Warum also nicht an Ihre nächste Entscheidung mit der Haltung herangehen: "Ich kann" statt "ich muss entscheiden"? Ich bin nicht Opfer, sondern Gestalter? Das gibt, wenn es Ihnen so geht wie mir, von vornherein ein besseres Gefühl, so wie es ja auch einen Unterschied macht, ob Sie am Morgen frohgemut oder missmutig in den neuen Tag gehen. Es wirkt sich aus, so oder so.

 

Das heisst nun natürlich nicht, dass es nicht unsagbar schwer sein kann, eine Entscheidung zu treffen. Das soll hier auf keinen Fall bagatellisiert werden. Von vielen Entscheidungen hängt in der einen oder anderen Form die Zukunft, wenn nicht gar das Leben ab. Umso mehr kommt es aber darauf an, wie wir an die Entscheidung herangehen.

 

Was macht eigentlich das Entscheiden so schwer? Oder anders gefragt: Wann würde es uns denn leichter fallen, uns zu entscheiden?

Antwort: Wenn wir sicher sein könnten, dass es die "richtige" Entscheidung ist, und wir uns nicht später Vorwürfe machen würden, doch besser anders entschieden zu haben.

 

Aber gibt es diese Sicherheit?

 

Nein. So verstehbar und achtenswert das Bedürfnis danach ist, es gibt sie nicht . Wir können nicht wissen, was die Zukunft bringt. Jede Entscheidung ist ein Schritt ins Ungewisse.

 

Das ist genau das, was sich die Versicherungsgesellschaften zunutze machen. Sie wissen, dass es im Leben keine 100%-ige Sicherheit gibt. Sie wissen aber auch, wie sehr wir uns trotzdem danach sehnen. Damit machen sie ihr Geschäft und minimieren ihr Risiko, weil sie gelernt haben, gute von schlechten Risiken zu unterscheiden. Es kann gut sein, dass sie im Einzelfall auch einmal draufzahlen müssen. Aber weil ihre Kalkulation langfristig angelegt ist, ist das für sie nicht weiter schlimm.

 

Warum nicht dieses Erfolgsmodell übernehmen? Erfahrung haben wir ja genug. Niemand muss dazu bei Null anfangen. Vom ersten Atemzug an haben wir ja gelernt, dass Leben ein Risiko ist. Schon dass wir überhaupt auf die Welt gekommen sind, war ein Risiko. Auch unsere Partner- und Berufswahl war oder ist es. Unsere Gesundheit ist es. Jeder Schritt vor die Haustüre ist es. Selbst wenn wir immer drin bleiben wollten, gingen wir ein beträchtliches Risiko ein.

 

Statt also nach 100%iger Sicherheit zu streben, könnten wir uns darauf konzentrieren, die Risiken zu minimieren, indem wir lernen, die guten von den schlechten zu unterscheiden. Dazu braucht es ein persönliches Risiko- bzw. Sicherheitsprofil: Was hat sich in meinem Leben bisher bewährt? Zu welcher Seite hin neige ich? Im Zweifelsfall eher zu "Ja" oder eher zu "Nein"? Welche Rolle spielt bei meinen Entscheidungen der "Kopf"? Welche der "Bauch"? Was gibt mir ein gutes Gefühl? Woran merke ich, dass es für mich "stimmt"? Was wird mich, so wie ich mich kenne, bei der anstehenden Entscheidung vermutlich zufriedener machen?

Auch die Antworten auf diese Fragen vermitteln keine 100%ige Sicherheit, zumal sie nicht kognitiv, sondern nur intuitiv begründbar sind. Sie sind aber wertvolle Indikatoren aus dem Stamm- und Mittelhirn (limbisches System) für ein gesundes inneres Wissen.

 

Entscheidungen sind ja immer dann ein Problem, wenn man glaubt, allen und allem gerecht werden zu müssen. Das ist ein hoher Anspruch, der ohne Zweifel auch entsprechende Würdigung verdient. Aber kann man ihm gerecht werden? Nein.

 

Es geht darum, die Wahrscheinlichkeit für eine "stimmige" Entscheidung zu erhöhen. Vielen Menschen bereitet das verständlicherweise grosse Mühe. Aus Angst, sie könnten etwas falsch machen und so schuldig werden, oszillieren sie ständig hin und her. "Ich kann mich nicht entscheiden", heisst es dann. Im Grunde meinen sie damit aber: "Ich kann nicht verzichten." denn jede Entscheidung erfordert auch Verzicht und hat einen Preis. Schon das Wort verrät es. Jede Entscheidung beinhaltet auch eine Scheidung, nicht unbedingt von Menschen, aber von Optionen. Wer entscheiden will, muss auch verzichten können. Das kann überaus schmerzlich sein.

 

Wie auch immer Sie sich entscheiden, bleiben Sie sich bewusst, dass Sie jetzt entscheiden, und das heisst: mit den Ressourcen, die Ihnen jetzt zur Verfügung stehen. Machen Sie die Güte der Entscheidung nicht vom Ergebnis abhängig, sondern davon, ob es jetzt für Sie stimmt.

Lassen Sie sich nicht im Nachhinein von der Illussion verführen: "Ich hätte es doch anders machen sollen." So wenig Sie die Zukunft vorherwissen können, so wenig können Sie auch nachträglich wirklich wissen, wie es anders herausgekommen wäre. Bleiben Sie auch im Nachhinein loyal zu sich selbst. Das wirklich Fatale an einer Entscheidung ist nicht, dass es anders herausgekommen ist, als Sie gedacht haben, sondern wenn Sie sich nachträglich für Ihre Entscheidung verurteilen. Dazu genügen schon die wenigen Silben: "Hätte ich doch...". Mit jeder dieser Silben werten Sie sich selber ab.

 

Dass es auch anders geht, zeigte einst Ingrid Steger in der Kabarettsendung "Klimbim": "Aus Fehlern wird man klug", verkündigte sie mit ihrer spitzen Stimme, um dann fortzufahen: "drum ist einer nicht genug".

 

Angenommen, Sie könnten sich bei Ihren Entscheidungen solche "Lernerfahrungen" zugestehen: Würde Sie das in Ihrem Selbstvertrauen eher stärken oder schwächen? Und wie, glauben Sie, würde sich das auf Ihre Entscheidungen auswirken?

 

 

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