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Warum es Ihre Gefühle mit jedem Jumbo-Jet aufnehmen können ...

 

Haben Sie schon einmal einen Blick ins Cockpit eines Jumbo-Jets geworfen? Dann waren Sie sicher beeindruckt von der Unzahl von Instrumenten darin. Sie sind die Überwachungszentrale des riesigen „Vogels“. Das geübte Auge sieht hier sofort, wenn etwas nicht stimmt und weiss dann auch, was zu tun ist.

 

Wussten Sie aber, dass Sie in Ihrem Innern auch über eine solche Überwachungsanlage verfügen? Nein?

Dann lassen Sie sich überraschen. Es sind Ihre Gefühle. Was das Cockpit mit den Instrumenten für den Piloten, das sind die Gefühle für Sie und Ihre Persönlichkeit. Sie überwachen den Kurs, auf dem Sie sich befinden und zeigen zuverlässig an, ob alles „wie geschmiert“ verläuft oder ob etwas nicht in Ordnung ist.

 

Sie sind skeptisch und denken, etwas Unsichereres und Subjektiveres als Gefühle gäbe es doch nicht? Sie vertrauen lieber auf Ihren klaren, objektiven Verstand?

Was den Verstand angeht, rate ich Ihnen zur Vorsicht. Nicht weil ich etwas gegen ihn hätte. Im Gegenteil. Um ihn bin ich nicht weniger froh. Er ist auch in meinem Leben unverzichtbar. Trotzdem: Er hat auch seine Grenzen. Denn so sachlich, unbestechlich und objektiv, wie er sich oft nach aussen gibt, ist er in Wirklichkeit nicht. Sieht man nämlich genauer hin, dann stellt man fest, dass es die objektive Wahrheit, die wir uns von ihm erhoffen, gar nicht gibt. Im Gegenteil, man weiss heute, dass er sich seine Wahrheit auch erst zurechtlegt und im Grunde immer nur das denkt, was er denken möchte und wozu er, meist schon von frühester Kindheit an, vor-programmiert ist. Das hat einmal jemand zu der, zugegeben nicht gerade zimperlichen, Bemerkung veranlasst, der Verstand sei wie eine Hure, die sich zu jedem ins Bett legt, der sie zu seiner Lustbefriedigung benötigt.

 

Das spricht nicht wirklich gegen den Verstand. Der ist und bleibt unverzichtbar. Aber es spricht gegen seine Glorifizierung. Eine gesunde Skepsis gegenüber dem Heiligenschein, der ihm bisweilen zugelegt wird, ist angebracht. Man muss schlicht wissen, dass man ihm nicht blindlings vertrauen kann.

 

Und die Gefühle? Diese undefinierbaren, oft nicht leicht zu fassenden Regungen, auf sie soll man sich verlassen können? Ja, davon bin ich überzeugt (Achtung: ich rede hier natürlich nur von gesunden Gefühlen und nicht von ihren neurotisch-krankhaften Spielarten).

 

Sie kennen das ja sicher auch, dass Sie etwas tun (oder auch unterlassen), was nach aussen hin völlig in Ordnung ist und trotzdem haben Sie kein gutes Gefühl dabei. Warum? Ganz einfach: Da meldet sich Ihr inneres Überwachungssystem und zeigt Ihnen an, dass etwas nicht in Ordnung ist.

 

Ihre Gefühle kennen Sie in- und auswendig, vor allem aber inwendig. Ihre Gefühle sind der verlässlichste Computer in Ihrem „Cockpit“. Er verfügt über ein unglaublich feines Sensorium und zeigt die feinsten Stimmungen und Unstimmigkeiten an.

 

Wie im Jumbo-Jet gibt es auch in Ihrem Lebenscockpit eine Art „Benzinuhr“ in Form von Lust- und Unlustgefühlen, die anzeigen, wie es mit Ihrer Energie steht, ob der „Treibstoff“ für die „Reise“ reicht oder ob Sie am „Ausbrennen“ sind.

Freuden und Ängste sind sozusagen der persönliche Drehzahl- und Geschwindigkeitsmesser, der angibt, ob sich Ihr Lebensrhythmus und -tempo noch im „grünen Bereich“ oder schon in einer Gefahrenzone bewegen.
Schmerzen, körperliche wie seelische, sind wie die roten Lämpchen, die aufblinken und warnen, nicht ungebremst und ungehemmt „so weiterzufahren“.

 

Gefühle machen Ihnen nichts vor. Sie sind die unbestechlichen Kontrollinstrumente des Lebens, und davon haben wir, buchstäblich zum Glück, mehr „an Bord“ als jeder Jumbo-Jet. Aber Achtung: Wir dürfen auch die Gefühle nicht glorifizieren. Gefühle sind das eine, was ich daraus mache, das andere. Spätestens da ist es ratsam, den Verstand walten zu lassen. Wenn sich z.B. die Benzinuhr im Cockpit Ihres Lebens dem Nullpunkt nähert und Ihnen so anzeigt, dass Sie am Ausbrennen sind, ist es nicht mehr Sache des Gefühls, sondern einer rationalen Überlegung, daraus die Konsequenzen zu ziehen und so schnell wie möglich eine „Tankstelle“ aufzusuchen.

 

Spätestens an diesem Beispiel merken Sie auch, dass Ihr Verstand und Ihre Gefühle keine Gegensätze sind. Im Gegenteil, die brauchen einander.

Man kann nicht mit jeder Frau, die einem gefühlsmässig sympathisch ist, auch gleich ins Bett gehen. Da ist der Verstand gefragt. Er macht das Gefühl bewusst und hilft uns überhaupt erst, zu verstehen, welches Bedürfnis sich in diesem Gefühl zu Wort meldet. Und dann hilft er auch, zu entscheiden, wie ich dem Bedürfnis am besten Rechnung tragen kann. Es könnte ja sein, dass sich das Gefühl die Frau nur als „Aufhänger“ für ein tiefer liegendes Bedürfnis nach Nähe gewählt hat.

 

Wie sonst nichts im Leben weisen mich Gefühle zu mir selbst, zu meinen ureigenen Bedürfnissen, und bewahren mich damit vor allem davor, mein Leben nach fremden Normen, Ideologien und Utopien auszurichten. Wer nicht auf seine Gefühle achtet, ist wie ein Pilot, der glaubt, ohne Anzeigeinstrumente in die Nacht hinausfliegen zu können. Der Crash ist vorprogrammiert.

 

Aber wenn ich gar nichts fühle? Wenn meine Anzeigeinstrumente gar nicht ausschlagen? Wenn es in meinem Innern stumm und leer bleibt?

 

Persönlich glaube ich, dass alle Menschen Gefühle haben. Sie mögen aus vielerlei Gründen, nicht selten zum Schutz vor Verletzungen, hinter einem dicken Panzer verschlossen und unter vielen Trümmern verschüttet sein. Aber meine langjährige Erfahrung, dass auch verschüttete Gefühle wieder an die Oberfläche gebracht werden können, lässt mich glauben, dass es zwar eine Unfähigkeit, Gefühle wahrzunehmen, gibt, aber keine Unfähigkeit, zu fühlen.

Ich denke, das könnte zuversichtlich stimmen.

 

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